Norwegen ist dieses Jahr der Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Dies ist wohl einer der Gründe, weshalb der Dumont Verlag dieses Jahr das Buch „Durch die Nacht“ von Stig Sæterbakken herausgebracht hat. Ein Buch das man unbedingt gelesen haben muss. Es grossartig und erschreckend, berührend und verzweifelt.

Inhalt / Klappentext

Karl Meyer ist Zahnarzt und führt ein durch und durch bürgerliches Leben. Doch als sein erst achtzehnjähriger Sohn Ole-Jakob Suizid begeht, droht es die Familie zu zerreißen. Karls Frau Eva steht unter Schock, die Tochter Stine verstummt. Auch Karl ist in seiner Trauer gefangen. Er denkt zurück an sein Kind, vor allem aber an das, was die Familie schon vor dessen Tod auf eine Belastungsprobe stellte: Karls Liebschaft mit der deutlich jüngeren Mona. Ist es diese Affäre, die Ole-Jakob in den Tod getrieben hat? Die Schuldfrage steht im Raum – und Karl läuft davon. Er begibt sich auf eine Reise in die Slowakei. Dort hofft er, Erlösung zu finden: in einem Haus, in dem man, so heißt es, mit seinen tiefsten Ängsten konfrontiert wird – und das man entweder gebrochen oder geheilt verlässt. 

Meine Meinung

Trauer tritt in so vielen Formen aus. Sie ist wie ein Licht, das ein- und ausgeschaltet wird. Sie ist da, sie ist nicht auszuhalten, dann verschwindet sie, weil sie unerträglich ist, will man sie nicht permanent ertragen kann. Sie wird gefüllt und geleert. Tausend Mal am Tag vergaß ich, dass Ole-Jakob tot war. Tausend Mal fiel es mir plötzlich wieder ein.“….. (S. 9)

Mit diesen Sätzen beginnt das Buch.
„Durch die Nacht“ erzählt eine Geschichte über Trauer und Traurigkeit. Sie handelt von Karl, dessen Sohn sich umgebracht hat und der mit seiner Trauer und seinen Schuldgefühlen kämpft. Das Buch beginnt nach ein paar Seiten mit einem Rückblick auf die Zeit in der alles noch in Ordnung war. Es erzählt von dem ganz normalen Glück einer ganz normalen Familie. Es erzählt aber auch, wie durch eine falsche Entscheidung, durch einen Verrat plötzlich alles zerbrechen kann.

Im letzten Teil des Buches begibt sich Karl um mit seinen Schuldgefühlen fertig zu werden auf eine Reise die fast mythisch anmutet. Er reist in die Slowakei, dort soll es ein Haus geben das jeden der es betritt, mit seinen tiefsten Ängsten konfrontiert – daran zerbricht man entweder oder man ist geheilt. Bilder dieses Hauses finden sich im Buch ( S. 243) – gibt es dieses Haus wirklich? War Stig Sæterbakken vielleicht selbst dort?

Ich habe das Buch bereits im Mai, zusammen mit einem verschlossenen Briefumschlag erhalten – und es innerhalb von zwei Tagen gelesen. Es hat mich einerseits so tief berührt und verstört und andererseits absolut in seinen Bann gezogen! Es fällt mir schwer, die richtigen Worte für dieses unglaubliche Buch zu finden.

Das Buch ist bereits 2011 in Norwegen erschienen und Stig Sæterbakken hat sich im Jahr darauf umgebracht. Beim Lesen bekommt man eine Ahnung was ihn dazu getrieben haben könnte, so real und brutal wie er den Schmerz beschreibt den Karl fühlt. Für Eltern ist es das mit Abstand Schlimmste was passieren kann, wenn ihr Kind vor Ihnen stirbt. Man mag sich nicht vorstellen, wie viel größer das Leid, die Trauer und die Schuldgefühle sein mögen, wenn man sich selbst schuldig fühlt an diesem Tod.

Fazit

Letztes Jahr war es das Buch „Loyalitäten“ welches mich zu tiefst berührt hat und mich sehr lange noch begleitet hat.
Dieses Jahr, zumindest bis jetzt, ist es „Durch die Nacht“ von Stig Sæterbakken. Es ist sicher kein Buch für jedermann, aber ein Buch auf das man sich einlassen sollte – allerdings nicht, ohne jemanden zu haben, mit dem man anschließend darüber reden kann!

Vielen Dank lieber Torsten! Einerseits, dass du mich auf das Buch aufmerksam gemacht hast, Andererseits für den Brief, der mir geholfen hat das gelesene zu verarbeiten!

🖤🖤🖤🖤🖤 für ein Buch über Schuld und über eine Art von Trauer, die man kaum in Worte fassen kann!

Über das Buch

Das Buch ist im Juli 2019 im Dumont Verlag erstmals in deutscher Übersetzung erschienen. Es hat 288 Seiten und kostet als gebundene Ausgabe EUR 22,00 – Link zum Buch bei Thalia

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1 Comment

  1. Hallo,

    das Buch ist mir in der Vorschau von Dumont schon ins Auge gesprungen – mir war allerdings bisher nicht bewusst, dass der Autor selber Suizid begangen hat. Dann wundert wenig, dass er den Schmerz in diesem Buch so indringlich beschreiben konnte…

    Ich werde das Buch sicher noch lesen.

    LG,
    Mikka

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