Loyalitäten ist mein erstes Buch von Delphine de Vigan, wird aber bestimmt nicht mein letztes bleiben. Kein anderes Buch hat mich die letzten Monate mehr beschäftigt und berührt.

Inhalt / Klappentext

Théo ist ein vorbildlicher Sohn: selbständig, fürsorglich und ein guter Schüler. Er scheint zu funktionieren. Doch eine Lehrerin schlägt Alarm und auch die Mutter seines besten Freundes beobachtet ihn mit Misstrauen. Die beiden Frauen haben die richtige Ahnung: Théo ist mit seinem Leben überfordert und sucht einen gefährlichen Ausweg.

Wer möchte nicht denen gegenüber loyal sein, die er liebt? In ihrem neuen Roman erzählt Delphine de Vigan von der manchmal gefährlichen Komplexität unserer Beziehungen. Dabei erweist sie sich einmal mehr als unbestechliche Chronistin zwischenmenschlicher Missstände.

Meine Meinung

Jeder will loyal sein, aber was sind Loyalitäten und ist es immer gut loyal zu sein?

„Das sind die Sprungbretter, auf denen sich unsere Kräfte entfalten, und die Gruben, in denen wir unsere Träume begraben“ (Zitat, S.5)

Ich finde, diese Zitat trifft es genau, denn davon handelt das neue Buch von Delphine de Virgan.

Die Geschichte wird aus vier unterschiedlichen Perspektiven erzählt und schildert einerseits nüchtern, andererseits tief ergreifend, die Chronik eines Absturzes.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der 12jährige Théo. Seine Eltern sind geschieden, die Mutter verbittert, der Vater vollkommen überfordert und kurz vor dem totalen sozialen Abstieg.

Théo steht dazwischen, will alles richtig machen, sowohl mit Vater und Mutter als auch in der Schule.  Da er dies mit seinen 12 Jahren nicht leisten kann, ist schlussendlich der Alkohol seine letzte Zuflucht geworden.

Hélène, seine Lehrerin, die als Kind missbraucht wurde, erkennt, dass mit Théo etwas nicht stimmt, deutet aber, geprägt durch ihre eigenen Erfahrungen, die Anzeichen falsch.

Mathis, der beste Freund von Théo, weiß um das Alkoholproblem Théos, ist aber auch hilflos überfordert und schweigt: aus (falscher?) Loyalität?

Zuletzt noch Cécile, die Mutter von Mathis, der sich Mathis gerne anvertrauen würde um seinen Freund zu helfen; Cécile ist aber selber eine Gefangene mit ganz anderen, eigenen Problemen.

Dieses instabile Beziehungsgeflecht beschreibt Delphine de Vigan so exakt und eindringlich, dass ich von der ersten Seite an gefesselt war.

Der Schreibstil lässt sich schwer beschreiben, einerseits nüchtern, andererseits so intensiv dass ich es kaum ausgehalten habe.

Fazit

Ein unglaublich berührender, ergreifender, realistischer und schockierender Roman, der mich am Ende fast sprachlos zurückließ.

Wenn ich dieses Jahr nur ein Buch empfehlen dürfte, dann wäre es dieses!

Es lässt sich schwer in Worte fassen, einfach selber lesen!

3 Comments

  1. Das ist jetzt schon das dritte Mal, dass mir dieses Buch in den … zehn? Blogs begegnet, die ich für das #litnetzwerk durchstöbern darf. Da mir schon beim ersten Mal klar war, dass ich dieses Buch in die Hände bekommen muss, freut es mich umso mehr. Und es freut mich auch – da muss ich mir aber selbst an die Nase fassen – weil es mir zeigt, wie viel die Blogbubble doch auch für meinen Lesegeschmack kann. Da hatten sich ein paar fiese Vorurteile auch in meinem Kopf festgesetzt. Danke für das Erschüttern dieser!

    Was ich auch noch unbedingt bemerkenswert finde: obwohl deine Rezension recht kurz ist, find ich sie super aussagekräftig. Mir gefällt das kurze Intro, in dem schon klar wird, in welche Richtung deine Rezension geht, mit welchem Gefühl du uns diese Empfehlung aussprichst. Aber auch was du unter „Meine Meinung“ in wenigen Worten auf den Punkt bringst? Klasse! Super präzise, das hab ich gerade sehr genossen.

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
    Kira (skepsiswerke)

  2. Liebe Vera,

    das Buch läuft mir ständig über den Weg und von der Autorin höre ich nicht das erste Mal.
    Vielleicht sollte ich es jetzt wirklich langsam mal lesen…
    Danke dir, für deine Rezension!

    Liebe Grüße
    Ramona

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