Mein erstes Buch von Ingrid Noll war „die Apothekerin“ und ich habe es vor über 20 Jahren gelesen. Sowohl ihr Schreibstil,der immer einen leicht ironischen Unterton hat, als auch ihre teils rigorosen Heldinnen (oft auch Täterinnen) sind ein unverwechselbares Markenzeichen und machen den Charme ihrer Bücher aus.

Klappentext

Natürlich sind Karin und Holda auf Männerjagd, schließlich wollen sie nicht alleine bleiben. Doch auch auf sie wird Jagd gemacht: Eine ganz besondere Sorte Romeos ist im Bonn der Nachkriegszeit im Einsatz. Halali – das Sekretärinnendasein wird zum Abenteuer, der graue Alltag ist vorbei. Wehe dem, der ins Visier gerät.

Meine Meinung

Das Buch spielt im Bonn / Bad Godesberg Mitte der 50er Jahre. Die beiden Freundinen / Arbeitskolleginnen Karin und Holda arbeiten als Sekretärinnen im Innenministerium und träumen von der großen Liebe und dem großen Abenteuer.

Die Geschichte wird von Holda, auch Frau Holle genannt erzählt, als Rückblick auf ihr Leben. Sie ist inzwischen 82 Jahre und erzählt ihrer Enkeltochter Laura von ihrem aufregenden Leben in der damals noch jungen Hauptstadt. Dabei ist der Kontrast zwischen der Jetztzeit, in der Internet, Fastfood und alle Freiheiten selbstverständlich sind und den 50er Jahren bei denen Herrenbesuch auf dem Zimmer verboten war, Urlaube am Meer unerschwinglich und sich Deutschland noch im Wiederaufbau und kalten Krieg befand, ein sehr schönes Stilmittel.

Karin und Holda sind zwei junge Frauen Anfang 20 die gerade von zuhause ausgezogen und noch mit den Erinnerungen an den Krieg ihr Arbeitsleben beginnen. Dabei stolpern sie eines Tages über eine Geheimbotschaft in einem toten Briefkasten und nun beginnt die Agentenjagd der beiden jungen Frauen und sie erleben Politspionage und den kalten Krieg aus nächster Nähe.

Der Krimi nimmt erst im zweiten Teil des Buches fahrt auf, das Buch ist eher ein Gesellschaftsroman über die Zeit und die Sitten in der noch jungen Bundesrepublik. Allerdings wäre es kein Ingrid Noll Roman wenn es nicht mindestens ein männliches Mordopfer gäbe!

Fazit

Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und fühlte mich in die Erzählungen meiner Mutter aus dieser Zeit zurückversetzt. Pointiert und amüsant schreibt Ingrid Noll über die spießigen 50er Jahre  in denen ganz andere Moralvorstellungen herrschten und vieles was uns heute selbstverständlich vorkommt noch in weiter Ferne war.

Die 1935 geborene Ingrid Noll war in dieser Zeit im gleichen Alter wie ihre beiden Romanheldinnen und deshalb konnte sie sich wahrscheinlich besonders gut mit diesen identifizieren.

Ein wunderschönes und feinsinnig geschriebenes Buch welches mehr Gesellschaftsstudie als Krimi ist, aber genau das macht es so interessant!

Über das Buch

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Das Buch ist beim Diogenes Verlag im Juli 2017 erschienen, es handelt sich um eine gebundene Ausgabe, 320 Seiten, EUR 22,00 – link zum Buch

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